Zwischen Angst und Auftrag: Warum wir nicht länger wegsehen dürfen
Ich habe mir die Reden vom gestrigen "FPÖ-Neujahrsauftakt in Klagenfurt" angehört. Ich sage es ganz ehrlich: Diese Inszenierung lässt mich beinahe ratlos zurück. Es gab Momente, die mir sogar Angst gemacht haben.
Aber ich habe für mich entschieden: Es macht keinen Sinn, dieses Gefühl wegzuschieben oder die Augen vor der Realität zu verschließen. Ignorieren ist keine Lösung mehr. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, was dort gesagt wurde – und warum es uns als Gesellschaft gefährdet.
Warum Worte wie Gift wirken können:
In Klagenfurt fielen Sätze, die weit über „harten Wahlkampf“ hinausgehen. Hier sind drei Beispiele, warum diese Rhetorik absolut inakzeptabel und gefährlich ist:
Die Rede von der „Wapplertruppe“ und „Systemlingen“:
Hier werden politische Gegner:innen systematisch entmenschlicht. Das ist der erste Schritt, um demokratische Institutionen zu delegitimieren.
Der Begriff der „Remigration“:
Ein Deckmantel für Deportationsphantasien, der den sozialen Frieden in unserem Land und das Zusammenleben aller Bürger:innen massiv bedroht.
Der Anspruch auf den „Volkskanzler“:
Eine Anmaßung, die suggeriert, dass nur eine Partei das „wahre Volk“ vertritt. Das ist ein Frontalangriff auf unser demokratisches Verständnis und die Vielfalt der Wähler:innen.
Das Argument „Das sind doch nur Worte“ ist eine Falle
Wenn mir jetzt jemand sagt:
„Reg dich nicht auf, das sind doch nur Reden für das eigene Klientel“, dann antworte ich:
Schaut in die USA!
Dort können wir genau sehen, was passiert, wenn Populismus zur Staatsräson wird. Er schert sich nicht um die echten Sorgen der Menschen, er lässt keine anderen Meinungen zu und er hinterlässt am Ende eine tief gespaltene, hasserfüllte Gesellschaft. Worte bereiten den Boden für Taten.
Das neue FPÖ-Radio: Eine unehrliche Fassade
Dazu passt auch die Ankündigung des neuen FPÖ-Radios „Austria First“.
Man verkauft es uns als „echte Information“ und „Stimme der Freiheit“. Aber seien wir ehrlich: Das ist kein Medium für Diskurs, sondern eine rein digitale Filterblase. Es geht nicht um die Information der Zuhörer:innen, sondern um die totale Kontrolle der Erzählung. Es ist unehrlich, so zu tun, als wolle man die Medienvielfalt fördern, während man in Wahrheit jede kritische Stimme mundtot machen will.
Macht ist ein Auftrag – kein Instrument zum Machterhalt
Ich möchte mich heute an alle richten, die in der Politik tätig sind – von den Gemeinderät:innen bis hin zum Bundespräsidenten:
Macht ist kein Spielzeug für das eigene Ego.
Die Verantwortung, die man von den Bürger:innen übertragen bekommt, muss für die Menschen genutzt werden. Macht ist kein Instrument für den bloßen Machterhalt, sondern ein demokratischer Auftrag, für die Gesellschaft zu wirken und das Gemeinwohl zu schützen.
Mein Ruf nach einem neuen Miteinander
Wir brauchen einen vollständigen Wechsel in der Sprache und im Tun.
Weg von der populistischen Show, hin zum "echten Zuhören".
Weg von den künstlichen Fassaden, hin zur "Wertschätzung und Authentizität".
Ich lade alle dazu ein, wieder das Gespräch zu suchen.
Und ich lade ganz besonders jene Menschen ein, die mit diesem Populismus kokettieren – vor allem auch in meinem eigenen Bekanntenkreis:
Kommt gerne direkt mit mir ins Gespräch!
Wir müssen lernen, einander wieder zuzuhören, auch wenn wir fundamental anderer Meinung sind.
Wir dürfen nicht mehr „abwarten“ und hoffen, dass sich alles von selbst regelt. Wir müssen jetzt im Kleinen, in jedem Kommentar und in jeder Begegnung, Wertschätzung üben. Die Zeit ist um. Wir müssen jetzt handeln – mit Anstand, Klarheit und Empathie.
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Zwischen Angst und Auftrag: Warum wir nicht länger wegsehen dürfen
18.01.2026

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