Palmsonntag – Wenn der Frieden zum Wahlkampfmittel wird
Es ist ein Muster, das wir an fast jedem christlichen Hochfest erleben: Politische Parteien greifen tief in die Kiste unserer Symbole und bedienen sich unserer Bräuche, als wären sie bloße Requisiten für ihre Botschaften. Es ist ein ungutes Gefühl, wenn der Palmbusch oder das Bild vom Einzug Jesu in Jerusalem als Dekoration für eine Politik herhalten müssen, die im Kern auf Ausgrenzung setzt. In den Kommentaren unter meinen Beiträgen wurde mir vorgeworfen, ich sei ein Pharisäer oder ein Fanatiker, nur weil ich an die Nächstenliebe erinnere. Aber genau deshalb ist es so wichtig, dass wir uns als Kirche einmischen. Wir können nicht zusehen, wie Symbole des Friedens und der Demut in Symbole der Abschottung verwandelt werden.
Der Einzug auf dem Esel war damals ein klares Statement gegen die prunkvollen Machtdemonstrationen der Herrschenden. Jesus kam nicht auf einem Streitross, um Grenzen zu markieren oder einen privilegierten Status quo zu verteidigen. Er kam als ein Friedenskönig für die Armen, die Schwachen und die Ausgegrenzten. Wenn heute diese Tradition genutzt wird, um ein Wir gegen Die zu konstruieren, dann wird der Kern dieser Botschaft ins Gegenteil verkehrt. Echte christliche Werte wie Barmherzigkeit und das Willkommenheißen des Fremden lassen sich nicht national begrenzen.
Für mich ist das, was wir in der Kirche feiern, keine bloße Aufführung, sondern eine Antwort auf das, was in unserer Gesellschaft passiert. Ich sehe meine Aufgabe darin, präsent zu sein, wenn Menschen Schutz suchen oder wenn das Miteinander rissig wird. Wenn Bräuche nur noch als Schutzschild für das eigene Weltbild dienen, verlieren sie ihre Kraft. Es geht mir nicht um einfaches Parteien-Bashing, sondern um die intellektuelle Redlichkeit: Man kann sich nicht auf das Christentum berufen und gleichzeitig die bedingungslose Nächstenliebe ablehnen.
Wahrer Zusammenhalt entsteht nicht durch Mauern, sondern durch die Bereitschaft, die Würde jedes einzelnen Menschen zu sehen. In dieser Karwoche lade ich dich ein, genau hinzusehen. Wir sollten die Deutungshoheit über unsere Werte nicht jenen überlassen, die sie nur als Schlagworte verwenden, um Ängste zu schüren oder Desinformation zu verbreiten.
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Palmsonntag – Wenn der Frieden zum Wahlkampfmittel wird
29.03.2026

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