diakonline Julian Gillesberger
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Ostern, Nächstenliebe – und die Frage, was wir wirklich verteidigen wollen

31.03.2026
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Ostern, Nächstenliebe – und die Frage, was wir wirklich verteidigen wollen Jedes Jahr zu Ostern wird viel von „christlichen Werten“ gesprochen. Von Tradition, von Identität, vom „christlichen Abendland“. Und genau deshalb ist jetzt ein guter Moment, sich ehrlich zu fragen: Wovon reden wir da eigentlich? Denn wenn man genauer hinschaut, passt vieles von dem, was aktuell politisch unter diesem Begriff läuft, erstaunlich schlecht zu dem, woran Ostern eigentlich erinnert. Ostern steht – zumindest im Kern – für Dinge wie Nächstenliebe, Vergebung, die Würde jedes Menschen. Für die Idee, dass Menschlichkeit nicht davon abhängt, wo jemand herkommt, wie er aussieht oder woran er glaubt. Es ist eine zutiefst universelle Botschaft. Und gleichzeitig wird genau in diesem Kontext immer öfter ein ganz anderes Bild gezeichnet: vom „christlichen Abendland“, das angeblich verteidigt werden muss – gegen „die anderen“. Gegen Migration. Gegen Vielfalt. Gegen alles, was nicht in ein bestimmtes Bild passt. Das klingt zunächst klar und nachvollziehbar. Aber wenn man sich die Mühe macht, diesen Begriff einmal auseinanderzunehmen, wird es schnell widersprüchlich. Denn dieses „christliche Abendland“ war historisch nie so einheitlich, wie es oft dargestellt wird. Europa war über Jahrhunderte hinweg geprägt von religiösen Konflikten, von Spaltungen, von Gewalt – oft sogar innerhalb des Christentums selbst. Katholiken gegen Protestanten, Verfolgung von Andersgläubigen, Vertreibungen, Zwangsbekehrungen. Die Idee einer harmonischen, einheitlichen christlichen Tradition ist eher eine nachträgliche Erzählung als historische Realität. Auch die Werte, auf die wir uns heute berufen – Menschenrechte, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit – sind nicht einfach „vom Himmel gefallen“. Sie sind in langen gesellschaftlichen Prozessen entstanden, oft auch im Konflikt mit religiösen Autoritäten. Sie sind politisch erkämpft worden und gelten heute – zumindest im Ideal – für alle Menschen. Und genau hier entsteht der Bruch. Denn wenn heute im Namen dieser „christlichen Werte“ Dinge gefordert werden wie Abschottung oder sogar „Remigration“, dann hat das mit dem ursprünglichen Kern dieser Werte wenig zu tun. „Remigration“ klingt harmlos, fast technisch. In der politischen Praxis bedeutet es aber oft nichts anderes, als Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Identität aus der Gesellschaft zu drängen oder zu entfernen. Das widerspricht nicht nur grundlegenden Prinzipien eines Rechtsstaats. Es widerspricht auch der Idee von Menschenwürde, auf die man sich gleichzeitig beruft. Das eigentliche Problem liegt aber noch tiefer. Der Begriff „christliches Abendland“ tut so, als gäbe es eine klare Grenze zwischen „uns“ und „den anderen“. Als wäre Kultur etwas Starres, Abgeschlossenes. Aber das war sie nie. Europa war immer im Wandel, immer geprägt von Austausch, von Migration, von Vermischung. Wenn man ehrlich ist, dann war die entscheidende Entwicklung unserer Gesellschaft nicht die Bewahrung einer einheitlichen religiösen Identität – sondern die Fähigkeit, mit Unterschiedlichkeit umzugehen. Die Entwicklung von Regeln, die für alle gelten. Von einem Rechtsstaat, der nicht fragt, wer „dazugehört“, sondern wie wir zusammenleben. Und genau das ist vielleicht die wichtigere Frage – gerade jetzt zu Ostern. Nicht: „Wen müssen wir ausschließen, um etwas zu bewahren?“ Sondern: „Welche Werte wollen wir tatsächlich leben?“ Wenn man Ostern ernst nimmt, dann geht es nicht um Abgrenzung. Sondern um Menschlichkeit. Nicht um Angst, sondern um Verantwortung. Und nicht um die Verteidigung eines abstrakten „Abendlandes“, sondern um den konkreten Umgang miteinander im Hier und Jetzt. Vielleicht ist das die unbequemere Perspektive. Aber auch die ehrlichere. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung unserer Zeit: Nicht einfache Antworten zu suchen – sondern den Widerspruch auszuhalten und trotzdem zu einer offenen, gerechten Gesellschaft beizutragen. Bild KI generiert #Ostern #Nächstenliebe #Menschenwürde #Zusammenleben #Demokratie #Rechtsstaat #Vielfalt #GegenHass #Gesellschaft #Europa #kirche #katholisch #christentum #religion
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