diakonline Julian Gillesberger
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Muttertag ernst nehmen

09.05.2026
Muttertag ernst nehmen Rund um den Muttertag taucht wieder das gleiche Spiel auf: Vor allem Politiker:innen aus der populistischen Ecke behaupten, dieser Tag soll abgeschafft werden. Ein weiterer Angriff auf unsere „Traditionen". Dahinter steckt laut ihren Vermutungen die "linke woke Comunity". Da wird eine pädagogische Überlegung in Schulen oder Kindergärten sofort wieder zum Kulturkampf erklärt. Dabei ist der Muttertag eigentlich viel zu bedeutend, um ihn in solche Empörungsdebatten hineinzuziehen. Seine Geschichte beginnt nicht beim Blumenstrauß und auch nicht beim Pflichtgedicht. Der Muttertag hat Wurzeln in sozialem Engagement, Friedensarbeit, Fürsorge und der Anerkennung von Arbeit, die über lange Zeit kaum gesehen wurde. Es ging um Mütter, um ihre Rolle in Familien, aber auch um ihre gesellschaftliche Bedeutung. Heute ist davon oft nur mehr die Oberfläche geblieben: Blumen, Schokolade, ein kurzer Dank, ein schönes Foto am Handy. Das ist auch in Ordnung, solange es ehrlich gemeint ist. Aber der Tag könnte soviel mehr sein. Muttersein bedeutet Liebe, Nähe und Verantwortung. Es bedeutet aber auch Müdigkeit, Organisation, Druck und oft sehr viel Unsichtbarkeit. Viele Mütter halten jeden Tag Dinge zusammen, die kaum jemand bemerkt. Sie planen, trösten, arbeiten, kümmern sich, denken mit, fangen auf. Aber Fürsorge sollte kein Geschlecht haben, ebenso wenig Verantwortung oder die Liebe. Trotzdem wird auch heute noch oft vorausgesetzt, dass Frauen den größten Teil dieser Arbeit übernehmen. Genau hier stehen auch Männer stärker in der Verantwortung. Nicht als Helfer am Rand, sondern als gleichwertiger Teil von Familie und Alltag. Ein Vater, der sich kümmert, „hilft“ nicht der Mutter. Er übernimmt seinen Teil. Ein Mann, der einkauft, kocht, tröstet, plant, Termine im Kopf hat, nachts aufsteht, mitdenkt und präsent ist, macht nichts Besonderes. Er macht das, was in einer gemeinsamen Verantwortung selbstverständlich sein sollte. Auch unsere Gesellschaft hat hier viel aufzuholen. Care-Arbeit wird gerne gelobt, aber schlecht bezahlt, schlecht abgesichert und zu oft ins Private geschoben. Wer Mütter ernst nimmt, redet über Kinderbetreuung, Vereinbarkeit, Alleinerziehende, Altersarmut, unbezahlte Arbeit, Erschöpfung und über die Frage, warum so viele Frauen noch immer die Lücken schließen müssen, die Politik, Arbeitswelt und Partnerschaften offenlassen. Tradition kann schön sein. Sie kann verbinden, Halt geben und Erinnerungen tragen. Aber Tradition bleibt nur lebendig, solange sie sich der Wirklichkeit stellt. Ein Muttertag, der nur als Pflichtprogramm abgespult wird, verliert sein Herz. Zurück zur angeblichen „Abschaffung" des Muttertags, wie behauptet wird. Natürlich dürfen Kinder basteln. Natürlich darf man Blumen schenken. Natürlich darf man „Danke Mama“ sagen. Gleichzeitig braucht dieser Tag aber Platz für die ganze Wirklichkeit: für Kinder, die keine Mutter mehr haben, für erschöpfte Mütter, für Familien, die anders aussehen, für Frauen, die keine Kinder haben können oder wollen, für Väter und andere Menschen, die Sorge tragen. Das würde den Muttertag menschlicher machen. Vielleicht sollten wir weniger auf jene hören, die aus jeder Veränderung eine Bedrohung machen und mehr auf jene, die diesen Tag mit Leben füllen: die Menschen, die sich sorgen, die tragen, die lieben, die aushalten und die einfach da sind. Wer Mütter ehrt, sieht ihre Arbeit. Wer Mütter ehrt, entlastet sie. Wer Mütter ehrt, verteilt Verantwortung gerechter. Wer Mütter ehrt, macht aus Fürsorge keinen Kitsch, sondern eine gemeinsame Aufgabe. „Muttertagsgedicht" Muttersein ist ein altes Wort für etwas, das größer ist als ein Geschlecht. Es beginnt dort, wo jemand bleibt. Wo jemand sieht. Wo jemand Raum gibt, damit ein anderer atmen kann. Es lebt in einer Hand am Rücken, in einem offenen Ohr, im stillen Wissen: Da ist jemand. Manchmal trägt Fürsorge einen vertrauten Namen. Manchmal bleibt sie namenlos. Sie braucht kein festes Bild. Sie braucht Gegenwart. Verlässlichkeit. Wärme. Zeit. Liebe fragt nicht zuerst, wie sie heißt. Sie zeigt sich daran, dass sie da ist. Nicht nur am zweiten Sonntag im Mai. Auch am Montag danach. #Muttertag #CareArbeit #Wertschätzung #Gleichberechtigung #Menschlichkeit #Alleinerziehende #Familienvielfalt #Zusammenhalt
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