diakonline Julian Gillesberger
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Faschistische Sprache wird gefährlich, bevor sie regiert

30.05.2026
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Faschistische Sprache wird gefährlich, bevor sie regiert Wer erst reagiert, wenn autoritäres Denken bereits Gesetze schreibt, kommt zu spät. Darum müssen wir jetzt über eine Sprache reden, die seit Jahren rauer, härter und selbstverständlicher wird. In politischen Debatten, in Kommentarspalten und im Alltag breitet sich ein Ton aus, der Menschen immer seltener als Mitmenschen sieht. Aus Andersdenkenden werden Gegner:innen. Aus Gegner:innen werden Feind:innen. Aus gesellschaftlichen Problemen werden Gruppen, auf die man zeigen kann. Kritik an Regierung, EU, Medien, Migration, Teuerung, Sicherheit oder Schule gehört zur Demokratie. Aber es gibt einen Punkt, an dem Kritik zur Feindbildproduktion wird. Wenn politische Gegner:innen zu „Volksverräter:innen“ werden, Medien pauschal als „Lügenpresse“ gelten, Gerichte, Wissenschaft, Kultur, NGOs und kritische Stimmen als Teil eines angeblich bösen „Systems“ dargestellt werden, dann ist das mehr als ein rauer Ton. Dann entsteht eine Erzählung, in der nur noch eine Seite für das „wahre Volk“ spricht und alle anderen dieses Volk angeblich verraten, schwächen oder bedrohen. Und genau das ist nicht nur „faschistische Tendenz“. Das ist Faschismus in seiner sprachlichen und politischen Logik. Faschismus meint nicht nur Uniformen, Aufmärsche und historische Bilder aus Schulbüchern. Faschismus beginnt dort, wo eine homogene Volksgemeinschaft behauptet wird, wo Pluralismus als Verrat gilt, wo unabhängige Institutionen verächtlich gemacht werden und wo Menschen nach Zugehörigkeit sortiert werden. Wer ständig ein reines „Wir“ gegen ein gefährliches „Die“ stellt, arbeitet mit einem faschistischen Grundmuster. Auch Begriffe wie „woke“, „Gender-Ideologie“ oder „linkslinke Umerziehung“ funktionieren in diesem Muster. Sie werden verwendet, um Feminismus, Gleichberechtigung, Minderheitenschutz, Antirassismus, queere Menschen oder soziale Veränderung lächerlich zu machen. Alles, was Respekt einfordert, wird zur Gefahr erklärt. Alles, was Menschen schützt, die ohnehin oft angegriffen werden, wird zur Bedrohung umgedeutet. Diese Sprache sortiert und teilt ein. Sie schafft ein „wir“ und ein „die“. Je öfter sie wiederholt wird, desto normaler wirkt sie. Ich beobachte seit Monaten, wie in rechten und FPÖ-nahen Kommentarspalten reale Probleme genommen und in Feindbilder verwandelt werden. Teuerung wird gegen „die da oben“ aufgeladen. Probleme in Schulen werden gegen Zugewanderte gedreht. Kritik an Medien wird zum Generalverdacht gegen jede Information, die dem eigenen Weltbild widerspricht. Sorgen werden selten beruhigt oder ernsthaft bearbeitet. Sie werden gefüttert, bis daraus Wut wird. Genau an diesem Punkt dürfen wir nicht nur zuschauen. Jede und jeder kann etwas tun. Im Alltag, im Gespräch, online, am Arbeitsplatz. Es braucht keine großen Gesten. Oft reicht es, nachzufragen, eine Quelle zu verlangen, einen Begriff zu hinterfragen oder klar zu sagen, dass man über Probleme reden will, aber ohne Menschen zu entwürdigen. Schweigen macht eine solche Sprache normal. Darauf setzt sie. Antifaschismus ist keine Pose und keine Erinnerungskultur für Gedenktage. Er beginnt dort, wo Menschen im Alltag den Mund aufmachen. Dort, wo jemand bei einem abwertenden Spruch widerspricht. Dort, wo jemand im Gespräch bleibt, obwohl es unbequem wird. Dort, wo jemand sagt: So reden wir nicht über Menschen in einer Demokratie. Menschenverachtung bleibt Menschenverachtung, auch wenn sie als Hausverstand verkauft wird. Die Entwürdigung von Gruppen löst kein Problem. Autoritäres Denken wird auch dann gefährlich, wenn es freundlich verpackt oder als Sorge um Österreich präsentiert wird. Wir müssen mehr reden! Ruhig, klar, hartnäckig. Bevor diese Sprache so selbstverständlich wird, dass viele gar nicht mehr hören, was sie längst anrichtet. Bild: KI generiert #Antifaschismus #Demokratie #Menschenwürde #Feminismus #Widersprechen #KeineFeindbilder #FaktenStattHetze #Österreich #NieWieder
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