diakonline Julian Gillesberger
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GEDANKEN: Glaubwürdig werden.

22.10.2026
GEDANKEN: Glaubwürdig werden. Der Vatikan macht sich Gedanken über die Weitergabe des Glaubens. Im Schreiben „Venite ad me" steht vieles, dem ich zustimme: zuhören, Nähe zeigen, den Glauben im eigenen Leben sichtbar machen. Aber wie ehrlich schauen wir dabei auf uns als Kirche selbst? Säkularisierung, Individualismus und Digitalisierung werden ausführlich beschrieben. Mir fehlt eine ebenso deutliche Auseinandersetzung mit der Verantwortung der Kirche für den Verlust von Vertrauen. Menschen haben Missbrauch erlebt. Verantwortliche haben weggeschaut, vertuscht und die Institution geschützt. Wer über Glaubensweitergabe nachdenkt, muss auch fragen: Was haben wir Menschen angetan? Welche Strukturen haben das ermöglicht? Und was ändern wir daraus konkret? Vertrauen wächst dort, wo Verantwortung übernommen wird und Betroffene erleben, dass ihre Geschichte Konsequenzen hat. Auch bei den Frauen bleibt für mich eine Frage offen. Das Schreiben möchte ihre Mitwirkung an Leitung erweitern. Das begrüße ich. Aber warum entscheiden wir weiterhin nach Geschlecht darüber, welche Aufgaben einem Menschen grundsätzlich offenstehen? Wir sprechen von Begabungen und vom Wirken des Geistes. Dann müssen wir diese Begabungen auch ernst nehmen. Frauen tragen längst Verantwortung. Ihre Gleichwertigkeit muss sich in tatsächlichen Entscheidungsbefugnissen und Zugangsmöglichkeiten zeigen. Und bevor wir Menschen vorhalten, sie seien zu sehr auf ihr eigenes Ich bezogen: Wie bereit sind wir selbst, Macht abzugeben? Ich glaube, Glaubwürdigkeit beginnt mit solchen Fragen. Eine einfache Sprache hilft. Sie muss aber mit einem ehrlichen Umgang verbunden sein. Können wir Fehler eingestehen? Kritik annehmen? Einen Menschen verstehen wollen, auch wenn er unsere Sicht nicht teilt? Ich möchte meinen Glauben so leben, dass sich ein Mensch bei mir gesehen fühlt. Dass ich zuhöre, ohne schon sein Leben einzuordnen. Dass meine Hilfe auch dann bleibt, wenn daraus keine Nähe zur Kirche entsteht. Daran muss auch ich mich messen lassen. Das Schreiben spricht selbst von gelebtem Zeugnis. Nehmen wir es beim Wort. Auch dort, wo es unsere Regeln, unsere Macht und unsere Bereitschaft zur Veränderung betrifft.
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Im Beitrag verlinktes Dokument: Venite ad me (Vatikan, 22.10.2026) →
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