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Gedanken#11


Diese Woche beschäftigt mich die Rückschau oder auch die Rücksicht, eigentlich aber eine Kombination aus beidem.


Rückschau halten auf einen Erfolg oder auf ein schönes Erlebnis, das ist etwas, was einem sehr gut tut, aber auch die Rückschau auf unschöne Erlebnisse kann helfen, um etwas im Hier und Jetzt besser zu machen.


In manchen Situationen wird einem aber der Blick auf das Vergangene als "der denkt ja ewig gestrig" ausgelegt, da wird dann schnell geurteilt oder verurteilt, ohne dass darüber nachgedacht wird. Es wird ganz darauf vergessen, dass gewisse Situationen in der Geschichte völlig anders beurteilt wurden. Im Jetzt, wo man dann schon weiß wie etwas ausgegangen ist, tut man sich sehr leicht zu urteilen oder sogar zu verurteilen. Ich ertappe mich auch manchmal dabei, dass ich sage warum hat man da nicht schon früher etwas getan oder eine Situation erkannt. So einfach ist das eben nicht.


Da gibt es dann so Aussagen wie: der oder die ist konservativ, eben ewig gestrig und nicht mehr zeitgemäß.

Konservativ kommt vom lateinischen conservare, das heißt bewahren, erhalten also etwas erhalten, das irgendwann einmal zeitgemäß war.


Unsere Kirche ist unbeschreiblich gut im konservieren, im Rückschau halten und tut sich dadurch sehr schwer, in der Gegenwart anzukommen.

Ich glaube, es geht eigentlich gar nicht darum, dass das sogenannte "Alte" immer schlecht ist, sondern eher darum, dass immer versucht wird, alte Rituale neu zu bemalen, um sie damit in die Gegenwart zu transferieren oder gar zukunftsfit zu machen.

Ich bin überzeugt, dass dieser Weg nicht funktioniert.


Man muss, wenn man etwas Altes konservieren oder erhalten will, erst die alten Farbschichten abkratzen, weil sonst die neue Farbe nicht halten würde. Das ist ein langsamer, mühsamer Prozess, aber er lohnt sich.

Erst dann, wenn man zur ursprünglichen Skulptur oder zum Original vorgedrungen ist, kann man neue, aktuelle Farben anbringen.


Am Beispiel Kirche sind ein Original die einfachen, klaren Jesusworte, die, wenn man sie so liest, wie sie vor 2000 Jahren aufgeschrieben wurden, für jeden klar verständlich sind. Da braucht es keine große Theologie, kein "hinbiegen" des Textes, keine Umdeutung oder gar Berichtigung. Diese vielleicht auch im damaligen Kontext gut gemeinten Farbschichten sind blass geworden und bröckeln schon an vielen Stellen ab.

Ich wünsche uns viel Rücksicht bei den verschiedenen Geschwindigkeiten beim Abkratzen der vielen Farbschichten und dann viel Freude und Kreativität beim neu bemalen unserer Kirche.


Eines weiß ich bestimmt, auch wenn er manchmal sehr zurückhaltend agiert, der heilige Geist ist sowohl in den verschiedenen Farbe als auch in jedem einzelnen Pinsel beim bemalen dabei.


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